Betreuungsgeld

Das Betreuungsgeld soll ab dem 1. August 2013 einen Ausgleich für die Familien bieten, deren Kinder keine Kindertagesstätte besuchen.

Höhe

Die Bundesregierung will damit eine neue Leistung für Eltern einführen, die Kleinkinder selbst betreuen. Die Höhe des Betreuungsgeldes beträgt zunächst 100 Euro, dann 150 Euro. Es soll an Familien mit Kindern unter drei Jahren gezahlt werden, die die Kinder selbst erziehen, deren Kinder also keine öffentlich finanzierten Bildungseinrichtungen besuchen.

Viele Experten halten dieses Projekt wirtschaftlich jedoch für unsinnig. Denn durch die zusätzlichen Ausgaben werde es schwieriger den Haushalt zu konsolidieren und gleichzeitig die Ausgaben mehr investiv ausrichten.

Die Kosten der Einführung des Betreuungsgeldes würden sich - bezogen auf die aktuelle Kinderzahl und das Erwerbsverhalten der Eltern – auf 2,2 Milliarden Euro jährlich belaufen. Falls der Ausbau der Kinderbetreuung hingegen fortschreitet und mehr Eltern erwerbstätig werden, so sinken die Kosten der Einführung des Betreuungsgeldes auf etwa 1,7 Milliarden Euro jährlich.

Fragen zum Betreuungsgeld

Wir haben die häufigsten Fragen und Antworten zum Betreuungsgeld für Sie zusammengestellt.

Bildungssparen

Die Bundesregierung will das Betreuungsgeld um ein sogenanntes Bildungssparen ergänzen. Wird das Betreuungsgeld nicht in bar ausgezahlt, sondern gespart, so erhalten die Eltern 15 Euro pro Monat als Bonus. Das Geld muss denn später für die Bildung des Kindes genutzt werden.

Kind in der Familie

Pro Betreuungsgeld

Für die Einführung eines Betreuungsgeldes für Kinder, also Kleinkinder in der häuslichen Umgebung, spricht, dass die Eltern mehr Wahlfreiheit bekommen. Weil bis 2013 die öffentliche Kinderbetreuung ausgebaut wird, müsse der Staat auch diejenigen Familien unterstützen, die von diesen Einrichtungen nicht profitieren können oder wollen. Familien mit nur einem berufstätigen Ernährer würden in der Förderung sonst benachteiligt.

Weiter sollte daran gedacht werden, dass In den Ballungsräumen, deren Lebenshaltungskosten viele Menschen zu einem Doppelverdiener-Dasein nötigen,die Suche nach einem Krippenplatz oft ein Lotteriespiel ist.

Auf dem Land fehlen noch viel mehr Betreuungsplätze als in der Stadt. Das ist bisher nicht so sehr in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gedrungen, weil es dort auch an angemessen bezahlten Frauenarbeitsplätzen mangelt und viele Mütter daher nicht die Wahl haben, einen Beruf auszuüben.

In den großen Flächenstaaten wie Bayern oder Baden-Württemberg wachsen etwa zwei Drittel der Kinder in den ersten drei Lebensjahren im Haushalt der Eltern auf, ohne einen Kiga zu besuchen. Wenn man bedenkt, dass im ganzen Bundesgebiet über 30.000 Erzieherinnen und Tagesmütter fehlen, wird schnell klar, dass der Anspruch, alle Kinder durch staatlich geförderte Einrichtungen zu betreuen, nicht erfüllbar ist.

Der Staat kann sich somit die vollständige Betreuung der Kinder unter drei Jahren in Kindertagesstätten gar nicht leisten, wo doch angeblich die vorgesehenen 150 Euro Betreuungsgeld kaum finanzierbar sind.

Contra Betreuungsgeld

Gegen die Einführung des Betreuungsgeldes spricht, dass das familiäre Alleinverdienermodell bereits heute schon stark gefördert wird, weil der nicht erwerbstätige Teil der Familie kostenlos in der Krankenversicherung mitversichert werden kann. Nimmt man das Ehegattensplitting, so ergibt sich, dass der Staat mehr Leistungen anbietet, die die durch den Erwerbsverzicht von Eltern entstehenden Kosten ausgleichen sollen, als Leistungen zur Förderung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Wenn hingegen beide, also Vater und Mutter, wunschgemäß einer Erwerbstätigkeit nachgehen könnten, so könnte in der Zukunft dem Fachkräftemangel begegnet werden. Deutschland liegt bei der Frauenerwerbstätigkeit im OECD-Vergleich lediglich im Mittelfeld. Das Betreuungsgeld hätte also diesbezüglich negative Wirkungen, weil sich die Reduzierung des Arbeitsangebots besonders bei Müttern – und unter diesen am stärksten bei Teilzeitkräften – bemerkbar machen. Folglich würden die Berufs- und Karrierechancen von Frauen sinken, würde das Betreuungsgeld eingeführt werden.

Das Betreuungsgeld soll jedoch auch dazu beitragen, Familien und Kindern vor Armut zu bewahren. Es steht jedoch zu erwarten, das mit der Einführung des Betreuungsgeldes besonders Mütter mit niedriger Bildung den Arbeitsmarkt verlassen werden, weil bei ihren verhältnismäßig niedrigen Gehältern die 150 Euro für private Kinderbetreuung stärker ins Gewicht fallen. Dies jedoch will man an sich vermeiden. Und: je länger der Ausstieg aus dem Arbeitsmarkt anhält, desto schwieriger wird der Wiedereinstieg in das Berufsleben. Das zweite Familieneinkommen wird zu den Akten gelegt. Und damit steigt die Armutsgefährdung. Das lässt sich sogar mathematisch berechnen: die Quote der Armutsgefährdung steigt um fünf Prozent. an. Zudem besteht die Gefahr, dass bei einer Scheidung oder Trennung der Eltern die Mutter keine Arbeitsstelle mehr findet, obwohl sie arbeiten will.

Viele Jungendliche haben heute große Probleme beim Lesen. Eine frühkindliche Betreuung in guten Kindertagesstätten kann diesem Problem entgegenwirken. Zudem kann der Besuch einer Kita die Integration in der Gesellschaft fördern. Es steht zu befürchten, dass durch das Betreuungsgeld vor allem diejenigen Kinder von der frühen Förderung ferngehalten werden, die den größten Nutzen aus ihr ziehen würden.

Wir gehen jedoch davon aus, dass das Betreuungsgeld entsprechend der Koalitionsvereinbarung im Jahre 2013 kommen wird. Wichtig ist dann zu wissen, dass man das Betreuungsgeld beantragen muss, es nicht automatisch und wohl auch nicht rückwirkend gewährt wird.

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Nicht direkt mit dem Betreuungsgeld für Kinder zu tun hat das Betreuungsgeld Pflege bzw. Betreuungsgeld Demenz sowie das Betreuungsgeld für Behinderte.

Wir möchten beides vorstellen, insbesondere, um die Abgrenzung deutlich zu machen.