Es gibt zwei unterschiedliche Arten Betreuungsgeld für Behinderte. So ist im SGB XI ein solches für geistig behinderte Menschen bei der Pflege zu Hause vorgesehen. Dann gibt es im Zuge der Familienpflege ein Betreuungsgeld für die Familie, die einen Behinderten bei sich aufnimmt.

Betreuungsgeld für Behinderte nach dem SGB XI

Für behindere Menschen besteht die Möglichkeit, ein Betreuungsgeld zu beantragen. Nicht wenige Menschen mit geistiger Behinderung beanspruchen viel Hilfe. Um insbesondere Angehörige für ihren Betreuungseinsatz zu honorieren, gibt es von der Pflegekasse das Betreuungsgeld für Behinderte. Wer wie viel erhält bestimmt eine neue Richtlinie.

Nach § 45 b SGB XI (Sozialgesetzbuch) haben Personen mit einem erheblichen allgemeinen Betreuungs- und Aufsichtsbedarf einen Anspruch auf Betreuungsgeld. Je nach Aufwand besteht er in Höhe von 100 oder 200 Euro pro Monat.

Für das Betreuungsgeld gibt es eine Zweckbindung. Das bedeutet, dass es ausschließlich für Betreuungsleistungen verwendet werden darf. Diese können z.B. ein Familienunterstützender Dienst erbracht werden.

Anspruch

Der Anspruch auf Betreuungsgeld steht Personen zu, die zu Hause betreut werden und unter demenzbedingten Fähigkeitsstörungen, geistigen Behinderungen oder psychischen Erkrankungen leiden, welche auf Dauer eine erhebliche Einschränkung der Alltagskompetenz beinhalten.

Man unterscheidet zwischen Personen mit einem erheblichen und einem erhöhten Betreuungsbedarf. Erste bekommen im Monat 100 Euro ausgezahlt, letztere 200 Euro.

Bündelung

Die Leistungen der Pflegekasse in Form des Betreuungsgeldes können gebündelt werden. Das bedeutet, dass man das Geld es ganzen Jahres auch in einem Monat ausgeben darf, zweckentsprechend selbstverständlich.

Vom Pflegegrade zum Betreuungsgeld

Der Bedarf wird anhand des in § 45a SGB XI aufgeführten Kataloges auf der Grundlage von 6 Bereichenvon Einschränkungen und Fähigkeitsstörungen ermittelt. Wird eine Einschränkung der Selbstständigkeit festgestellt, besteht der Anspruch auf den Grundbetrag von 125 Euro im Monat.

Seit der Pflegereform stehen körperliche und geistige bzw. seelische Behinderungen gleichbereichtigt nebeneinander.

Der 13 Merkmalsfelder des alten Begriffs der eingeschränkten Alltagskompentenz sind in den modernen Pflegebedürftigkeitsbegriff eingearbeitet worden. Der verbleibende Grad der Selbstständigkeit wird im NBA, dem Neuen Begutachtungsassessment durch einen Gutachter des MDK geprüft und festgestellt. Die alten Merkmalsfelder sahen wie folgt aus:

1. Unkontrolliertes Verlassen der Wohnung, also Weglauftendenz

2. Nicht erkennen oder Verursachen von gefährdenden Situationen

3. nicht angemessener Umgang mit gefährlichen Gegenständen

4. aggressives Verhalten in Verkennung der Situation

5. ein der Situation unangemessenes Handeln

6. Unfähigkeit eigenen Gefühle oder Bedürfnisse zu erkennen

7. Kooperation bei therapeutischen oder unterstützenden Maßnahmen nicht möglich aufgrund therapieresistenter Depression oder Angststörung

8. Beeinträchtigungen des Gedächtnisses, herabgesetztes Urteilsvermögen mit Problemen bei der Bewältigung von sozialen Alltagserfordernissen

9. gestörter Tag-/Nacht-Rhythmus

10. Tagesablauf kann nicht geplant oder strukturiert werden

11. Verkennung von Alltagssituationen und inadäquate Reaktionen im Alltag

12. starkes labiles oder unkontrolliert gefühlsgesteuertes Verhalten

13. dauernde Niedergeschlagenheit, Verzagtheit, Hilflosigkeit oder Hoffnungslosigkeit in Floge einer therapieresistenten Depression.

Heute werden Punkte vergeben. Wird ein Pflegegrad erreicht, besteht immer ein Anspruch auf zusätzliche Betreuungsleistungen. Dieser hat immer die gleiche Höhe.  Die weiteren Leistungen der Pflegekasse variieren hingegen von Pflegegrad zu Pflegegrad.

Antrag

Das Betreuungsgeld wird nur auf Antrag gewährt. Dieser muss bei der Pflegekasse gestellt werden. Der MDK (Medizinische Dienst der Krankenkassen) führt nur dann eine Begutachtung durch, falls nicht nach Aktenlage eine Entscheidung gefällt werden kann.

Pflegebedürftigkeit nicht erforderlich

Einen Anspruch auf das Betreuungsgeld für Behinderte können auch Personen haben welche nicht körperlich pflegebedürftig im Sinne der Pflegeversicherung sind. Sie werden dann in den Pflegegrad 1 eingeordnet. Es kommt nur darauf an, dass ein erheblicher Betreuungsbedarf mit Beeinträchtigung der Selbstständigkeit nachgewiesen wird.

Betreuungsgeld für Behinderte in Familienpflege

Eine andere Art von Betreuungsgeld für Behinderte wird im Rahmen der Familienpflege gezahlt, nicht von der Pflegekasse, sondern vom überörtlichen Sozialhilfeträger.

Familienpflege

Was ist Familienpflege? Von Familienpflege spricht man, wenn eine Familie einen behinderten Menschen mit Behinderungen aufnimmt, um ihm zu helfen, selbständig und doch nicht allein zu leben. Familie ist dabei nicht allein die traditionelle Familie mit Vater, Mutter und Kindern. Es können auch Lebensgemeinschaften oder Alleinstehende Menschen mit Behinderungen bei sich aufnehmen.

Für die Familienpflege kommen Personen in Betracht, die geistig behindert sind und deshalb kein selbständiges Leben führen können, aber dennoch die Hilfen und das Umfeld eines Wohnheimes nicht benötigen.

Die Gastfamilie muss keine besondere Ausbildung haben. Einzig und allein die Bereitschaft der Familienmitglieder, sich auf den behinderten Menschen einzulassen, ihn bei sich wohnen und leben zu lassen, ist entscheidend.

Natürlich sollte man in geordneten wirtschaftlichen Verhältnissen leben und soziale Kontakte haben, in die auch das neue Familienmitglied eingeschlossen werden kann.

Ein Erwachsener in der Familie sollte zudem genügend Zeit für den behinderten aufbringen können und deshalb nicht oder nur zum Teil berufstätig sein.

Ein eigenes möbliertes Zimmer ist ebenso erforderlich wie das Mitbenutzen lassen der Gemeinschaftsräume.

Betreuungsgeld

Derjenige, der einen Menschen mit Behinderungen im Rahmen der Familienpflege bei sich aufnimmt, erhält ein Betreuungsgeld von monatlich 910 Euro. Arbeitet der Behinderte in einer Werkstatt für Behinderte Menschen, so erhält man 839 Euro. In diesem Betreuungsgeld sind das Pflegegeld als Aufwandsentschädigung, die Kosten für Unterkunft und Verpflegung sowie Bekleidung und Taschengeld enthalten.

Hat der behinderte Mietbewohner eine Pflegestufe, so zahlt die Pflegekasse noch zusätzlich ein Pflegegeld.

Daneben erfolgt eine Betreuung durch einen Fachdienst für Familienpflege, was kostenlos ist. Nimmt man das behinderte Familienmitglied mit in den Urlaub, so wird über das Betreuungsgeld hinaus für diese Zeit eine Pauschale von etwa acht Euro täglich gezahlt.

Das Betreuungsgeld ist steuerfrei.

Wenn die Familie einmal allein in Urlaub fährt oder wenn jemand erkrankt, ist es möglich, den behinderten Mitbewohner für eine kurze Zeit in einer anderen Familie oder einem Wohnheim unter zu bringen. Das Betreuungsgeld wird dennoch für 28 Tage weiter gezahlt.